Destino Fado

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Destino Fado – Nähe spüren, Saudade leben

Fado – das war für mich lange Zeit etwas Fremdes, beinahe peinlich. Mein Vater, kein Profi, aber ein leidenschaftlicher Sänger, stimmte oft voller Freude „As Meninas das Tranças Pretas“ an. Als Kind konnte ich nichts damit anfangen und als Teenager war es mir oft peinlich, ihn so hingebungsvoll von einer anderen Frau singen zu hören.

Wenn Fado aufhört, seltsam zu sein

Heute verstehe ich, was ich damals nicht greifen konnte: Fado erzählt von Saudade, Sehnsucht, Lebensfreude, Schmerz und Liebe: mal leicht, mal schwer. Diese Musik berührt mich inzwischen, lässt mich innehalten und ich erkenne in ihr die Schönheit und Echtheit, die mein Vater wohl immer gespürt hat.

Fado ist für mich heute mehr als nur Musik. Es ist ein Gefühl, eine Reise in meine Vergangenheit und eine Verbindung zur portugiesischen Kultur.

Vor kurzem verbrachte ich ein paar Tage in Porto. Weit weg von meiner jetzigen Heimatstadt Frankfurt, aber doch nah an meinem Geburtsort Lissabon, wo ich aufgewachsen bin. Auf der Suche nach authentischem Fado stieß ich zufällig auf ein besonderes Event mit der Fado-Sängerin Cláudia Madur.

Der Rahmen war einzigartig: Das Haus aus dem 19. Jahrhundert war allein schon einen Besuch wert, die Akustik klar, die Atmosphäre gemütlich und intim. Was diesen Abend mit Cláudia so besonders machte, war genau das, was oft fehlt: echte Nähe zur Musik. Es war kein typischer Fado-Abend in einem von Touristen überfüllten Restaurant, wo man sich den Nacken verrenkt, um einen Blick auf die Sängerin zu erhaschen, während Essensgerüche ablenken, die Akustik leidet und die Luft schwer wird.

Hier war es Fado in seiner reinsten Form. Der Gesang und die Gitarren standen im Mittelpunkt, klar und voller Gefühl. Wir saßen auf bequemen Stühlen, entspannt, nah dran, fast schon auf Augenhöhe mit Cláudia. Die intime Atmosphäre machte die Musik lebendig und greifbar. Nichts wirkte steif oder festgelegt. Der Abend fühlte sich an wie ein Gefühlsdialog zwischen Cláudia und uns, dem Publikum. Sie sang so, wie sie es in dem Moment empfand, angepasst an ihre Stimmung und die Atmosphäre im Raum. Zwischendurch erklärte sie locker, worum es in den Liedern ging, was die Texte bedeuteten und es gab auch einige herzliche Lacher. Alles wirkte authentisch, ungezwungen und voller Nähe.

Ich habe das Glück, in beiden Sprachen zu Hause zu sein – im Deutschen und im Portugiesischen. Ich verstehe jedes Wort, jeden Klang. Doch mir wurde an diesem Abend bewusst, dass man die Sprache nicht verstehen muss, um den Fado zu spüren. Die Musik, der Gesang, die Atmosphäre berühren unmittelbar, selbst Menschen, die kein Portugiesisch sprechen. Es war schön zu sehen, wie auch diese ergriffen waren und sich von der Musik tragen ließen. Fado gibt Raum für das Sensible, das Unsichtbare und genau das macht ihn so besonders.

Fast schon zu kurz schien dieser magische Abend, und doch ging ich glücklich und beseelt weiter durch Porto. Auch wenn „As Meninas das Tranças Pretas“ an diesem Abend nicht gespielt wurde, klangen viele andere wunderbare Stücke noch lange in mir nach. Diese Erinnerung hat meinen Kurzurlaub unvergesslich gemacht. Sie hat mir gezeigt, dass Fado nicht nur eine Musikrichtung ist, sondern ein Stück Heimat, das mich begleitet.

Ich kann Cláudias Auftritte nur wärmstens empfehlen und wünsche ihr und den begleitenden Gitarristen weiterhin viel Erfolg – mögen sie diese besondere Stimmung noch vielen Menschen schenken.

Written By: upwego

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